Nuestra Señora de Pforzheim. Ein Nachruf

von Augušt Maria Neander, 28.03.2006, 16:47 Uhr (Freiburger Zeitalter)

 

Es ist vollbracht. Sechs der sieben bis zuletzt aufrechten roten Bastionen geschleift, allein das stolze Mannheim (Mannheim 1) hebt die rote Fahne im vom schwarzen Flächenbrand verwüsteten Vaterland. In den Untergang; nein: im Untergang wurde die einst (anderswo) so starke Partei von einer Ausnahmeerscheinung geführt. Waidwund stand sie da, als das verheerende Viertel verkündigt wurde — einen Moment. Dann eilt das Lächeln zurück in ihr Gesicht, selbst dann, wenn sie mit den Granden sozialdemokratische Bruderküsse tauschen muß.

Ute Vogt war eine vun uns. Vun uns Nordbadnern. Stationen ihrer politischen Karriere ware Wiesloch, Pforzheim, jüngst Bretten. Städte mit großen Namen. Wiesloch — Emmendingen des Nordens. Pforze — das Kap Horn Badens, mutig gen Stuttgart vorstoßende Grenzstadt õn de Enz. Bretten. Vorwaldungsgmoinschaft mit Gondelse.

Wie annerschd wirkte sie als ihr chrischtdemokratisches Pendant Oettinger. Ute Vogt war koin iggelberschtische Technokrat mit Adlergsicht. Ute Vogt war Badner. Koi gebiggelts Honoratiorenschwäbisch. Stattdesse: Gschliffes Hochdaitsch — meistens zwai bis drei Sätz, bis sie in die stolze Zunge (vulgo: »Gosch«) ihres Volkes verfiel.

En Moment long, finf Johr, hod d’Ute Vogt ihre Gnosse s’Höchschde vortoische kenne: Bedaidung (33,3 Prozent). Des isch rumm.

Ute Vogt scharte um der Freiheit heilges rotes Banner Mann für Mann. Zuletzt 25,2 Prozent. Bessa wie uff de Kerwe d’Lapp voll.


Dieser Text ist die Erstfassung des Beitrags „Landtagswahl 2006“ aus LW19.


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