Dulce et Decorum

von Augušt Maria Neander, 23.06.2005, 17:05 Uhr (Freiburger Zeitalter)

 

…est pro patria mori, wußten schon die Alten. Zumindest in der deutschen Friedensarmee gab es zum höchsten Dekor, süß ist Tiffy und gestorben wurde allenfalls aus Altersschwäche (und damit wenigstens unbesiegt im Felde) – sei es des Soldaten oder des Gerätes.

Ein furioser Anfang für eine feuilletonistisch-leichte und doch spitze und treffende Beschäftigung mit dem Thema Bundeswehr und Ästhetik. Es hätte so viel folgen können: Bezüge zu Kant, Jünger, Heraklit – doch es hat hier nicht sollen sein.

Das Thema Bundeswehr und Krieg gibt wenigstens Material für vorher-nachher Gegenüberstellungen, die von billigen Wortspielen wie „Jäger 90/Die Olivgrünen) und schon als Sponti-Weisheit versagende Sentenzen im Stile von „Nie wieder Krieg – ohne uns“ getragen werden.

Auch das Thema Bundeswehr und Liebe wäre, wenn auch wenig originell, auszuschlachten gewesen. Voyeuristisch hätte man sich – wie oft noch? – die ZDV 10/5 vornehmen können, über Frauen bei der Bundeswehr räsonieren können, die herbe Liebe im Schützengraben preisen können (immerhin das hat Jamie O’Neill brillant in seinem – etwas albern im Stil Flann O’Briens benannten – Roman „Im Meer, zwei Jungen“ verarbeitet, in dem der alte Separatisten-Hit „A Nation once again“ zu einem sagenhaften Schwulenporno uminterpretiert wird dank der ebenda erwähnten „ancient freeman / of Greece and Rome who bravely stood“ – aber, ach!, irische Militanz hat nur am Rande und dank der gescheiterten EU-Verfassung nun wohl gar nichts mehr mit der Bundeswehr zu tun.) – indes: auch hier wenig neues.

Immerhin jedoch: Man hätte etwas schreiben können. Die Verbindung von Bundeswehr und Ästhetik erweist sich jedoch als allzu unergiebig. Natürlich könnte man (wieder 10/5) Haartrachten diskutieren – man landete aber doch abseits der Ästhetik. Als Begründung mag der herrschende Sprachduktus genommen werden, in dem Angelegenheiten des Haares in der Bundeswehr verhandelt werden. „Das Haarnetz hatte infolge mangelnder Belüftung und durch weniger häufiges Kämmen die bei langen Haaren festgestellte Verfettung und Verschmutzung noch verstärkt. Außerdem hatte überlanges Haar Hauterkrankungen, Infektionen und Parasitenbefall sowie Erkältungskrankheiten begünstigt“, lautete 1972 die Begründung für die Rücknahme des Haarnetz-Erlasses. Ästhetik?

Major Florian Pfaff* darf auch und gerade als Soldat Befehle aus Gewissensgründen verweigern. Bestenfalls als Ornament an der Geschichte erwähnt wird die weiße Rose, die er zeitweise am Revers trug. Darüber: Kein Wort des Gerichtes. Und selbst wenn: Ein zaghafter Anfang an Ästhetik muß wohl erstens verboten und zweitens reichlich plump (weiße (!) Rose) vonstatten gehen. (Ein Offizier mit Stil hätte zumindest eine dunkelhelllila Aster benutzt.)

Bundeswehr und Ästhetik – dazu hier leider kein feuilletonistisch-leichtes und doch spitzes und treffendes Stück.

 

*) Anm. d. Red.: Herr Florian Pfaff wurde im Juni vom Vorwurf der Befehlsverweigerung freigesprochen. Er hatte es abgelehnt, seine Programmierarbeit an einer „Software“ fortzusetzen, von der er fürchtete, sie könne im 3. Golfkrieg von 2003/4 zum Einsatz kommen.

Dieser Text ist die unveränderte Fassung des Beitrags „Dulce et decorum...“ aus LW16.