War schon toll, so…

…von Saddam Hussein, Staatspräsident a.D.

von Timotheus Schneidegger, 29.04.2003, 10:19 Uhr (Dunkles Zeitalter)

War schon Klasse, diese Solidarität in Deutschland. Untereinander benehmt ihr euch wie die leztzten Ärsche, aber als es um meinen ging, da seid ihr einig auf die Straße gegangen – Hut ab (hätte ich das Scheißding noch aus dem Bunker rausgekriegt).

Von der Merkel bin ich enttäuscht. Damals bei Erichs Geburtstag hat sie so lieb dem Fidel, Ghaddafi und mir Blümchen geschenkt und was vorgesungen. Und heute rennt sie zum Onkel Donald. Da wollte ich schon mein Luftgewehr entsichern, aber ich muß aufpassen, mein Asylverfahren läuft ja noch. Ständig muß ich zum Meldeamt rennen, weil die mir nicht glauben wollen, daß ich zu Hause politisch verfolgt werde.

Erst hieß es immer: „Klasse, diese Säkularisierung im Irak. So ganz ohne Koran-statt-StGB, kann man echt mal eine ClubMed- oder KdF-Reise hinmachen. Schön warm und so. Bißchen in die Kultur eintauchen.“ Jaja, bis mir dann die ganzen Turbanköppe aufs Dach stiegen. Ich laß die zwei Etagen runter in den Folterkeller holen, damit Ruhe herrscht, und was ist? „Menschenrechte! Unterdrückung! Tyrannei!“

Dann sagt der olle Bush: „Mach ma rübba nach Kuwait, damit wir unsere Panzer näher an die Ölquellen parken können.“ Hätte ich bloß eine Sekunde drüber nachgedacht damals!

Okay, das mit dem Iran ist vorher wirklich etwas aus dem Ruder gelaufen. Das fing alles damit an, daß die Touristen und Terroristen laufend nach Teheran gegurkt sind, anstatt zu uns nach Bagdad, obwohl sie eigentlich zu uns wollten. Da haben wir dem Iran halt irgendwann gesagt, er soll sich umbenennen, das n liegt viel zu nah am k auf jeder Tastatur und die Verwechslungen kosten uns Millionen. Aber die wollten nicht.

Die werden sehen, was sie davon haben. Vielleicht haben die auch richtig Schwein. Dann sagt der kleine Bush irgendwann: „Iran? Wieso, da waren wir doch erst.“

Die netten Herren von BASF und Thyssen gehen auch nicht mehr ans Telefon. –

Jetzt haben die mir also den Palast entzweigebombt. Einfach so. Aber so ist das mit eurer Demokratie. Nix mit Kontinuität und Stabilität. Bei uns war das zuverlässiger. Entweder, du kommst mit der Regierung zurecht, dann freu dich, oder nicht, dann hau halt ab – die Regierung bleibt auf jeden Fall.

Ich frage mich, was zu Hause wohl los ist. Man hört ja einiges. Hoffentlich haben meine Leute da unten wenigstens ein paar von meinen Romanen aus der Nationalbibliothek geklaut. Ich soll mich nicht drauf verlassen, sagt mein Sohn Udai: Wenn die Pissnelken sich lieber erschießen lassen, als das Zeug zu lesen, dann werden sie es auch nicht umsonst nehmen, meint er.

Was der al-Sahhaf wohl treibt? War ja der beste Märchenonkel überhaupt. Ohne den hätte ich andererseits viel früher gewusst, daß diese Typen in meinem Swimmingpool UN-Inspekteure sind und keine Bau-Ingenieure. Und daß die Flugzeugträger im Golf nicht unsere Kriegsbeute sind.

Naja, Schwamm drüber, alles hat ein Ende, nur die Wurst hat zwei.

Demnächst will ich mal nach Chile, Margot und den alten Pinochet besuchen. Lebt der eigentlich noch? Naja, die Margot bestimmt, die ist ja nicht totzukriegen seit sie sich damals bei der Einweihung von unserer Hustensaft-Fabrik die Haare so lustig verfärbt hat. Wir werden dann einen Gesprächskreis gründen. Hurtig die Kaution für den alten Slobodan zusammenplündern, dann sind wir schonmal zu dritt. Und wer weiß, vielleicht hat Osama, die alte Kackstelze, dann doch noch Bock mitzumachen.

Doch zuerst geht’s noch in die Schweiz. Udai hat da eine Geflügelfarm aufgemacht, gleich um die Ecke. Kehlen aufschlitzen und scharfen Hühnern nachrennen, das konnte er schon immer gut. Ich find’s dufte, daß er auch hier seine Passion zum Beruf machen konnte – sah ja etwas düster aus für seine Zukunft in letzter Zeit.

Wenn der ganze Trouble um ist, will ich meine Memoiren schreiben. Zusammen mit Katja Keßler. Udai freut sich schon.

Mal gucken, langweilig wird’s bestimmt nicht.

– Saddam Hussein

aus dem Arabischen von Timotheus Schneidegger

Dieser Text ist die unveränderte Fassung des Beitrags „War schon toll, so...“ aus LW5-8.

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