Nachruf auf Bärbel

Ein Requiem für unsere Heldin, im Namen der Redaktion

von Timotheus Schneidegger, 01.03.2003, 12:49 Uhr (Dunkles Zeitalter)

„Bärbel ist tot.“

Es muß etwas dahinterstecken, wenn hier ein Auszug aus diversen Nachrufen auf Augstein und Unseld derartig vermengt und mit Bezug auf eine gewisse Bärbel auch noch verhöhnt zu werden scheint. Unseld und Augstein haben sich mit einem für unsereins unüberwindbaren Ring aus Klonen des Cerberus (=Lektoren) umgeben, und Cerberus war – wenn ich mich recht an meine desaströse Alt-Griechisch-Zeit erinnere – eine Art Hund. Wie der Wolf, und der, um den es hier geht, hieß Bärbel.

Sie war in vielerlei Hinsicht ein Idol. Bärbel wollte, aber man gab ihr nicht. Bärbel nahm sich, also ächtete man sie. Bärbel entzog sich, also jagte man sie. Bärbel lebte, also tötete man sie. Was sie wollte und sich nahm war die Freiheit. Sie war alles in allem die Realisierung der Philosophie Stirners auf die Art, die Marx in Bezug auf seine eigene Philosophie im Sinn hatte, noch dazu nutzte Bärbel dazu ausgerechnet das Gebiet, auf dem sich Marx-Realisierer eine ganze Weile lang damit abgerackert hatten.

Unter denjenigen, die sich nehmen und aufbrechen, sind die ohne Ziel die heldenhaftesten – Bärbel war die prima inter pares. Wo die Biologen, die Bärbel ablichten wollten, von Instinkt sprachen, spricht unsereins von Wahrheit, denn die war es, die Bärbel verkörperte mit ihrem selbstverständlichen Auszug aus dem Zwinger und ihrem Entzug vor den Häschern, die für Ordnung im deutschen Wald sorgen wollten.

Als wir die letzte Ausgabe der „Lichtwölfin“ gewidmet haben, da erfreute sich die freudlose und darum zufriedene Bärbel noch ihres Lebens. Nun hat uns die Nachricht ereilt, daß ihr gewalt- und phrasenloser Kampf zu Ende ging, auf eine gewisse Art ruhmreicher, als wir es selbst in unseren kühnsten Träumen hätten ahnen können. Diese gewisse Art ihres Endes bestand in der hohlen Ironie, die keine ist.

Ihr Licht wird in uns weiter scheinen als die olympische Fackel, unter der die Erde einmal eins in Frieden und Freiheit sein wird.

Bärbel wurde im Januar 2003 von einem angsterfüllten Jäger (homo sapiens) erschossen. –

Dieser Text ist die unveränderte Fassung des Beitrags „Nachruf auf Bärbel“ aus LW5-8.

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