"Fun ist ein Stahlbad." (Adorno) - Donnerstag, 23. Mai 2013
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Links der Woche am 26.11.2011, 14:00 Uhr (Neues Zeitalter)
Links der Woche, rechts der Welt KW 47/11von Timotheus Schneidegger /
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Darüber kann man im tristen November nach Allerseelen, Totensonntag usw. mal sprechen: Die Redaktion des Freitag hat ein Alphabet des Todes aufgemacht. Von "Abschaffung" (des Todes) bis "Zeremonie" enthalten die Einträge Karrieretipps wie den Grabredner und Wendungen wie: "Sterben passt oft nicht in die Lebensplanung." (20.11.11)
In Sachen Occupy
Im Freitag berichtet Florian Schmid mit einem ausführlichen Debatten-Überblick, dass der Anarchismus im Zuge der Occupy-Bewegung in den USA (als "Post-Anarchismus") eine Renaissance feiert.
Einmal Tragödie, einmal Farce: In New York hat die Polizei die "Occupy Wall Street"-Bewegung vertrieben, doch Jordan Mejias geht in seiner Analyse in der FAZ aufgrund historischer Gesetzmäßigkeiten davon aus, dass der Spuk erst mit einem abermaligen New Deal wirklich zu Ende ist.
Wer es ganz ausführlich mag, sei an den New Yorker verwiesen: Dort portraitiert Mattathias Schwartz Ursprünge und Zukunft der Occupy-Bewegung.
Gewalt und Irrationalismus
Bei Heise findet sich ein zweiteiliges Gespräch mit dem Sozialwissenschaftler Werner Seppmann ("Dialektik der Entzivilisierung") über die Zunahme von Gewalt und Irrationalismus als Krisensymptom. In Teil I geht es um den militanten Rechtsradikalismus, seine Verharmlosung und seine Aufmerksamkeitskonkurrenten Amokläufer und U-Bahn-Schläger - sowie um die strukturelle Gewalt neoliberaler Umgestaltungsprozesse. Die wachsende Zahl derer, die unter dem Diktat von Wachstum und Wettbewerb abgehängt werden, sucht Schutz vor persönlicher und sozialer Desintegration in paranoischen Weltbildern, wie in Teil II behandelt wird. Dazu passend: Das Gespräch mit Anti-Gewalt-Trainer Thomas Mücke über junge Rechtsextremisten im Freitag.
Das große Liedermacher-Sterben
Nachdem letzte Woche der Tod von Franz Josef Degenhardt zu beklagen war, starb diese Woche Ludwig Hirsch durch eigene Hand ("Grausamkeit des Alltäglichen", Nachruf des Standard). Zuvor ist am 22. November ist Georg Kreisler gestorben und ihm ruft jeder Feuilleton nach.
Den Reigen der persönlichen Erinnerungen eröffnen Johannes Honsell und Oliver Das Gupta in der SZ mit der Schilderung ihres letzten Besuchs in Salzburg. In der WELT zeigt sich der Kreisler-Kumpel Ilja Richter überrascht von der Sterblichkeit des 89-jährigen. Auch Jörg Sundermeier bekennt in der taz, sich neben dem singenden Dichter alt vorgekommen zu sein.
Thomas Rothschild ahnt in der ZEIT, dass Kreisler das Schicksal Bernhards und Degenhardts blüht und "ihn die Heuchler, die er zeitlebens bekämpft hat, vereinnahmen" werden. Matthias Nöther klärt in der FR auf, dass Kreisler nicht nur "unbequem" war, sondern dass ihm auch vieles unbequem war - von Österreich bis zum Label "unbequemer Kabarettist". Darauf zielt auch Ingeborg Waldinger in der NZZ ab, die Kreisler als tieftraurigen Anarchisten und Selbstüberwinder mit schwarzem Humor beschreibt. "Aber er hat es gut mit den Menschen gemeint", konzediert Dieter Bartetzko fast schon vernichtend in der FAZ.
Nietzsche war mit 25 Jahren Professor an der Uni Basel, was die Nachgeborenen alt aussehen lässt, die in dem Alter nicht einmal ihr Studium abgeschlossen haben. Bierologe Philipp Bayer stellt da eine beruhigende Studie vor: Demnach sind die Wissenschaftler zum Zeitpunkt ihrer Publikation, die ihnen später einen Nobelpreis in Medizin, Physik oder Chemie einbrachte, immer älter. (23.11.11)
Es herrscht Finanzkrise: Ausnahmezustand. Wer hat darüber entschieden? Die Märkte. Nicht nur für Schmitt-Leser erklärt Albrecht von Lucke in den Blättern für deutsche und internationale Politik, wie die Märkte und nicht die Wähler als Souverän die griechische und italienische Regierung ein- oder absetzen. Habermas warnte zuletzt vor einer Verramschung der Demokratie und von Lucke sieht nun eine Diktatur der Kommissare ("marktkonforme Demokratie", Merkel) am Horizont aufziehen.
Kurz und schnell oder nicht sooo wichtig:
Zu seinem 20. Todestag erinnert die FR an Klaus Kinski, die Personifikation der Wildnis. +++ Maximilian Probst fragt sich in der ZEIT, ob der neue Zeitschriftentrend Philosophie dem Fach gut tut. +++ "Wir waren alle so besoffen", kann ja jeder sagen, der beim Seitensprung erwischt wird; tiefsinnigere Rechtfertigungen gibt Franz Josef Wetz mit seinem Buch "Lob der Untreue". +++ Über die Weihnachtsferien nix zu tun? Nehmen Sie sich doch einen dieser Calls for papers zu Herzen und füllen Sie Ihren Kalender mit Philosophie-Veranstaltungen.
Stichworte: Tod, Occupy, Anarchismus, Gewalt, Irrationalismus, Georg Kreisler, Ludwig Hirsch, Alter, Finanzkrise, Demokratie, Klaus Kinski, Untreue, Call for papers, Links der Woche
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Zuletzt bearbeitet am 26.11.2011, 14:03 Uhr: Kleine Änderungen.
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