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Links der Woche am 18.08.2012, 14:27 Uhr (Zwote Dekade)

Links der Woche, rechts der Welt KW 33/12

von Timotheus Schneidegger / Kommentare Kommentare (0)

Denver Clan Feuilleton

Sommerloch im Feuilleton? Von wegen! Der Forderung aus der letzten Woche, die bourgeoise Geisteswichserei abzuschaffen, schließt sich Johannes Kuhn nicht an, weiß aber, dass die berühmte Digitalisierung "das Feu" zur Erneuerung zwingt. Auch Tim Klimeš stimmt nicht ganz zu, aber anders: Für ihn gehört der feuilletonistische Stil auf die komplette Zeitung ausgedehnt. Und Lena Baetz verlangt im Freitag weniger Klagen und mehr Besinnung auf die F-Tugenden wie Stil und Haltung. Vollends erwies sich das Getue im feuilletonistischen Schrumpfolymp als Seifenoper, nachdem Richard "Sherlock" Kämmerlings in der WELT aufgedeckt hat, bei dem Autor des Schweden-Krimis, in dem unverkennbar Frank Schirrmacher zerfleischt wird, könne es sich nur um den Schirrmacher-Rivalen Thomas Steinfeld von der SZ handeln. Die literarische Exekution verleitet Jakob Augstein bei der Motivsuche dazu, Schirrmacher zum Übervater des Feuilleton hochzuschreiben, auf den sich patrizidale Ohnmacht fokussieren muss. Oh, it's fun to watch rich people be naughty!


Nochmals: Europa

Derweil wird in Schirrmachers Firma weiterhin eine europapolitische Debatte geführt. Nachdem die Skeptiker zuletzt ein wenig die Medien beherrschten, plädiert Nils Minkmar dafür, die deutsch-französische Freundschaft zum Grundmuster für den innereuropäischen Umgang zu machen. Sodann erinnert Hans-Gert Pöttering in einem Gastbeitrag daran, dass das Grundgesetz die weitere europäische Integration nicht etwa verhindert, sondern ausdrücklich vorsieht.


Summa C L

Max Webers Briefe von 1918–1920 sind frisch ediert, schreibt Joachim Radkau in der ZEIT, und darin scheint der Chefsoziologe u.a. seiner einen Geliebten akademisiert von Cunnilingus und Analverkehr vorzuschwärmen und es überhaupt ganz unpuritanisch angehen zu lassen. Daneben erfahren wir reichlich über Webers Selbstbild und seine Korrespondenzen über den Ersten Weltkrieg. (16.08.12)


Objektives Recht

In der ZEIT stellt Felix Stephan - anlässlich von Paul Ryans Nominierung zum republikanischen Kandidaten für das Amt des US-Vizepräsidenten - dessen liebste Kapitalismusdenkerin Ayn Rand vor. Ihre Bücher - allen voran "Atlas Shrugged" - verkaufen sich von Jahr zu Jahr besser und prägen das Denken - jedenfalls in den USA. Das Erfolgsgeheimnis ist der High Society Telenovela-Stil der ökonomischen Apokalypse, die durch Steuern und Arbeitnehmerrechte ausgelöst wird. (17.08.12)


Aufsätze

Nebenan bei Information Philosophie gibt es drei neue Aufsätze auf einen Schlag, nämlich: Levinas und die Jüdische Philosophie von Rachid Boutayeb, Philosophisches zum "So-Tun-als-ob" in der Schule von Markus Waldvogel und Kritische Neurowissenschaft von Jan Slaby ("unveröffentlichtes Manuskript – bitte nicht ohne Erlaubnis des Verfassers zitieren oder verbreiten!").


The Schlotterdeik Diaries

Peter Sloterdijks Notizbücher der Jahre 2008 bis 2011 ("Zeilen und Tage") sind da und Thomas Kapielski hat sich beim Rezensieren für die FAZ bereits mit dem Schwurbelstil angesteckt. Mit nahezu identischem Einstieg, aber nüchterner referiert Andreas Rosenfelder in der WELT, wie Sloterdijk sich selbst beim Denken und Gucken dokumentiert; auch Dirk Pilz in der FR findet das alles sehr okay. Sloterdijk ist übrigens in der Titanic-Reihe Premiumdenker der Gegenwart der Erste; Nr. 2: Robert Spaemann.


Noch mehr Rezensionen

Rolf Hosfelds Tucholsky-Biographie wird in der NZZ von Manfred Koch als Introspektive des Weimarer Feuilleton (s.o.) vorgestellt. +++ Ebenfalls in der NZZ weist Karl-Markus Gauss auf Arthur Schnitzlers Traumtagebuch hin. +++ Tim Caspar Boehme bespricht in der taz zwei Bücher, die sich mit Lacans Axiom beschäftigen, es gäbe keinen Geschlechtsverkehr (sondern Reis?).


Stichworte: Feuilleton, Frank Schirrmacher, Thomas Steinfeld, Europa, Max Weber, Peter Sloterdijk, Kurt Tucholsky, Arthur Schnitzler, Jacques Lacan, Links der Woche

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Zuletzt bearbeitet am 18.08.2012, 14:28 Uhr: neu


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