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Politik am 07.07.2005, 18:00 Uhr (Freiburger Zeitalter)

Einer dieser Tage (7.7.05)

Flüchtiger Blick in den digitalen Blätterwald.

von Timotheus Schneidegger / Kommentare Kommentare (0)

da klage noch einmal jemand, es sei nichts mehr los im Sommer. Das Nachrichten-Panorama des heutigen "Es war ein ganz gewöhnlicher Tag im Juli", wie morgen tausende von Zeitungsartikeln beginnen werden, nur um nämlichen umgehend zum "Tag des Schreckens" umzutaufen, spricht Bände: In den Schatten der lange befürchteten Bombenanschläge auf den Londoner Pendlerverkehr, bei denen mindestens 33 Menschen getötet und mehr als 300 verletzt worden sein sollen, traten folgende weitere Meldungen:


Karibik bereitet sich auf "Dennis" vor

Der erste Hurrikan des Jahres.

Prozess um Tod von Rapper Notorious B.I.G. geplatzt

Angeblich habe ein Polizist den Dicken erschossen und die Behörde Beweise zurückgehalten.

Serienvergewaltiger zu 1319 Jahren Haft verurteilt

"Wegen schwerer Misshandlung von zehn Menschen ist ein Mann im US-Staat Colorado zu mehr als 1300 Jahren Gefängnis verurteilt worden."

Bush stürzt von Fahrrad - leichte Schürfwunden

"Am Rande" des G-8-Gipfels ist George W. Bush - einen Tag nach seinem 59.Geburtstag - beim Fahrradfahren mit einem Polizeibeamten zusammengestoßen. "Dabei verletzte sich der US-Präsident leicht an Händen und Armen. Der Polizist musste in ein Krankenhaus gebracht werden." (!)

Regierungsgebäude in Warschau brennt

In Polen steht das Regierungsgebäude in Flammen und wurde evakuiert. "Die Ursache ist noch unklar, die Polizei vermutet jedoch einen technischen Defekt infolge von Bauarbeiten." Weiter heißt es: "Es sei zu früh, um über einen Zusammenhang mit den Explosionen in London zu spekulieren."

Funkenflug oder wie?


Al Qaida hat sich angeblich zu den Londoner Anschlägen bekannt, doch nicht nur die Titanic hegte zunächst den Verdacht, die Franzosen könnten ob der gestrigen IOC-Entscheidung gegen Paris, für London, gewissen Verlierergroll gehegt haben.

Die gestrige Glosse von Spiegels London-Korrespondent Matussek, in der unter dem Titel "Schnaps für den Trinker" eine gelinde gesagt "erstaunliche" Tirade gegen die angeblich vom Schicksal verwöhnten Engländer und ganz besonders Londoner gehalten wird, ist natürlich schon längst unter immer neuen "Schreckensmeldungen" begraben und wird vermutlich bald "pietätsvoll" in den Giftschrank gesperrt.

Wirtschaftsexperten wie der EZB-Chef gaben schon am Nachmittag bekannt, die Anschläge würden dem ökonomischen Wachstum (?) keinen Abbruch tun, und so kann beruhigt den Numerologen das Feld überlassen werden, die bereits kräftig daran arbeiten, aus dem Datum der Anschläge irgendwelche Hirngespinste abzuleiten, die sich in der BILD gut machen, wenn auch gar nichts erklären. Noch heute meinen ja einige, der Schlüssel zum Verständnis der Madrider Anschläge vom 11.03.04 läge darin, daß sie sich 911 Tage nach denen in New York am 11.09.01 ("9-11") ereignet haben, deren Datum wiederum an die US-amerikanische Notrufnummer angelehnt sein soll. Heute liegt der 11.03.04 483 Tage, der 11.9.01 somit 1394 Tage zurück. Quersummenakrobatik führt auch zu nichts aufsehenerregendem. Wer mag, kann das Datum der heutigen Anschläge (7.7.) als Hinweis auf die 77.Sure des Korans verstehen. Daraus würde hervorgehen, daß Al Qaida Anders- und Ungläubige nicht gerade lieb hat. Ansonsten erklärt uns diese Terroristennumerologie noch, daß die Anschläge von Madrid am 11.3. laut der 113.Sure offenbar "Knotenanbläserinnen" galten und die vom 11.September gar nicht statt fanden, weil der Koran nur 114 Suren hat.


Eines der heimtückischsten Übel des modernen Terrorismus ist die Berichterstattung darüber. (Besonders Hartgesottene mögen sich wie üblich BILD.de antun...)


Stichworte: London, el Kaida, 911, 113, 77, Numerologie, Spiegel Online, Anschlag, Terrorismus, Olympia, IOC, Politik

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