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Phosphoriszierende Prosa & Lyrik am 07.12.2004, 13:08 Uhr (Freiburger Zeitalter)
Der Geist der Schwerevon dr faustus /
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emesterlang studierte K. bei vielen Professoren an einer Universität Philosophie. Solang er studierte, solang war er von der Lehre frustriert. Er hatte Dozenten, die eine mögliche Interpretation eines Philosophen als absolute Wahrheit hinstellten und andere Meinungen nie zuließen. Dagegen begehrte K. auf. Er schrieb grundsätzlich Arbeiten, die konträr zu den Meinungen standen, die im Seminar vermittelt wurden. Erstaunlicherweise gelangte er doch zu genügend Scheinen, um die Prüfungsanforderungen zu erfüllen; er wurde zum Examen zugelassen und schloß es erfolgreich ab.
Nun, da er seinen Abschluß in der Tasche hatte, traute K. sich mit dem Professor, der ihn geprüft hatte, offen zu reden. Er kritisierte die Art und Weise der Lehre derart, daß man die Grenze zwischen konstruktiver Kritik und respektlosem Haß schon überschritten sehen konnte.
Der Prof. hörte sich K.'s Rede geduldig an. Als jener geendet hatte, erwiderte dieser: "Ja, Sie haben recht. Ich weiß, daß Sie recht haben. Mir gefielen Seminare auch besser, in denen offen diskutiert werden könnte. In denen im Gespräch Sinn und Zweck eines Werkes herausgearbeitet werden könnte. - Doch: Nie hätten Sie solch fundierte Kritiken geschrieben; nie hätten Sie gelernt, konstruktive Kritik an den Lehren und Lehrenden zu üben; nie hätten Sie Ihre Meinung so überzeugt und überzeugend präsentiert, WENN ich Sie dazu nicht herausgefordert hätte, indem ich eine Wahrheit vertreten habe, eine Wahrheit in einem Fach ohne Wahrheit. Stellen Sie sich vor, ich würde jede Stunde Diskussionen zulassen, die kaum ein Ende fänden. Würden Sie in solchen Sitzungen je einen eigenen Standpunkt finden, wo Sie doch ständig geneigt sind, neuen Meinungen zu folgen? Nein! Und so habe ich Ihnen gelehrt, einen Standpunkt zu finden und diesen zu verteidigen. Sie glauben ja gar nicht, wie schwer es ist, dies durchzuhalten."
K. stand sprachlos da, schaute seinen Professor an, verneigte sich ehrfürchtig und ging. Der Professor schaute ihm nach und schüttelte wehmütig den Kopf.
Stichworte: Professor, Kritik, Frustration, Lehre, Phosphoriszierende Prosa & Lyrik
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Dieser Artikel ist die erweiterte Fassung des Beitrags "Der Geist der Schwere" aus
Lichtwolf 2/2004 (Nr. 11), April 2004Titelthema: Glück
Ausgabe zwo des dritten Jahrgangs vom April 2004. Zehn Seiten im üblichen Lichtwolf-Format, d.h. eng maschinenbeschriebene DIN A4-Blätter einseitig kopiert und oben links getuckert.
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