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Phosphoriszierende Prosa & Lyrik am 27.09.2004, 10:12 Uhr (Freiburger Zeitalter)

Das Katzenhaar

von Felisande / Kommentare Kommentare (0)

ich wache auf, so kurz vor acht,

sprich: Praktisch mitten in der Nacht.

Steig aus dem Bett, bin recht verdrossen,

die Augen sind noch halb geschlossen.


In die Küche, so mein Streben,

mit Frühstück lässt sichs leichter leben.

Ein Tässchen Kaffee, Milch, ein Brot,

das bringt die Welt wieder ins Lot.


Gedacht, getan, doch welch ein Graus –

die Wirklichkeit sieht anders aus:

Ich beiß so in mein Brötchen rein

und, wie könnte es auch anders sein:


Auf dem Belag, oh wunderbar

lag obendrauf ein Katzenhaar!

Schlaftrunken noch, mit null Geschick,

hat man für sowas keinen Blick.


Eh man sich versieht, hat mans erlebt:

Das Haar fest auf der Zunge klebt.

Ich taste also mit den Fingern

in meinem Mund nach diesen Dingern.


Ich fisch, ich angle ewig lang,

das Haar klebt fest, mir wird schon bang –

das Haar ist immer noch zu fühlen!

Mit Wasser will ichs runterspülen.


Ich trinke und, oh welch ein Wandel!

Das Haar hängt an der rechten Mandel.

Es würgt, es kitzelt zum Verdrießen,

Tränen mir ins Auge schießen!


Ich sitze da und seufze leise,

da geht es wieder auf die Reise:

Grad war es noch auf meiner Zunge,

schwupps – jetzt ist es in der Lunge!


Ich huste, röchle, pruste laut

der Morgen, ja, der ist versaut!

Doch plötzlich, als ich tiefer schnauf

kommt auch das Härchen wieder rauf!


und legt sich, als sei nichts passiert,

am Gaumen fest – bin irritiert

ich geb schon auf, ohjeminee,

da kommt die rettende Idee:


Noch einmal fest ins Brötchen beißen,

das wird’s schon mit hinunter reißen!

Gesagt, getan, und welch ein Hohn:

Es ist weg, nach einem Bissen schon!


Jetzt kann ich wieder an dem Schreibtisch sitzen,

zufrieden meinen Bleistift spitzen.

Schräg von hinten schleicht zu mir

mein heißgeliebtes Katzentier.


Es schmiegt sich an und schnurrt ganz toll,

daß ich es bitte streicheln soll.

Nach Schmusen steht ihm jetzt der Sinn,

es dreht mir keck sein Bäuchlein hin.


Kann es etwas schönres geben,

als mit sonem Tier zu leben?

Ich lächle froh und spür ganz klar

im Mund ein neues Katzenhaar...


Stichworte: Katze, Mieze, Haar, Fell, Husten, Phosphoriszierende Prosa & Lyrik

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Dieser Artikel ist die unveränderte Fassung des Beitrags "Das Katzenhaar" aus

Lichtwolf 1/2005 (Nr. 14), Januar 2005

Titelthema: Das Ende, der Untergang, Schluß, aus!

32 Seiten DIN A4 im gewohnten s/w-Broschürdruck mit verstärktem Umschlag, schwarzes Titelbild färbt nicht ab.


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