Gott ist tot und Sie sind schuld. - Sonntag, 19. Mai 2013
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Mit dem Stichwort "Armut" sind die folgenden Artikel markiert:
Links der Woche am 23.03.2013, 14:30 Uhr
Links der Woche, rechts der Welt KW 12/13
Sozialpolitik in Historikers Sicht
Vergangene Woche wurde an dieser Stelle bereits auf die neuerliche Debatte um Ungleichheit und Gerechtigkeit hingewiesen. Anlass war Hans-Ulrich Wehlers Buch "Die neue Umverteilung", das Klaus Harpprecht in der ZEIT vorstellt. Der Historiker hatte sich ebenda vergangenen Monat ausführlich zum geschönten Armutsbericht der Bundesregierung geäußert und sich insbesondere darüber gewundert, dass der soziale Frieden immer noch hält. Im Gespräch mit der FR gibt Wehler Auskunft über die Umverteilung von unten nach oben und die kalte Wut.
Der 68er Helmut Wietz hat einen Comic über das wilde Berlin Ende der 60er gemacht - eine Art bebilderte Selbstkritik der Generation, die (ob bekifft oder nüchtern) Mao und Adorno verehrte, auch ohne viel lesen zu müssen. Marcel Malachowski stellt Buch und Mindset im Freitag vor. (21.03.13)
Wissenschaftsphilosophiewochen bei der FAZ
Sibylle Anderl berichtet von einem Hannoveraner Treffen von Wissenschaftsphilosophen, die zwischen den Stühlen von Physik und Philosophie tagten. In der Klimaforschung führt mehr Wissen zu mehr Unsicherheit - Schuld ist die Komplexität der Materie, erklärt Joachim Müller-Jung. Abermals Sibylle Anderl schlägt von Hannover aus vor, bei solchen Problemen mal den Wissenschaftsphilosophen zu fragen.
Klaus Watzka unterrichtet in Jena BWL und beobachtet mit Sorge, wie nun auch die letzten Bundesländer die mit ordentlich Sachzwang eingeführten Studiengebühren wieder abschaffen. In der FAZ macht er ein Tabu aus, um es wacker zu brechen, indem er nämlich dafür plädiert, die Studentenschaft an den Kosten ihrer Bildung zu beteiligen. (21.03.13)
Außerdemos von Sonstnochos:
Nebenan bei Glanz & Elend bespricht Jürgen Nielsen-Sikora zwei Bücher zur Verschwarmung des Menschen im Netz von Nicholas A. Christakis und James H. Fowler sowie von Jean Baudrillard (!). +++ Mit den Piraten wurde nicht nur der Insiderwitz als politisches Kommunikationsmittel "salonfähig", wir verdanken der Partei auch Klarheit darüber, ob Berlin auf die Zombie-Apokalypse vorbereitet ist. +++ Pünktlich zum neuen Papst ist Karlheinz Deschners "Kriminalgeschichte des Christentums" abgeschlossen, wie Ludger Lütkehaus in der NZZ meldet. +++ Der Frühling lässt noch auf sich warten, der Lichtwolf zur Jahreszeit ist aber schon da: Titelthema Experten.
Links der Woche am 29.12.2012, 14:27 Uhr
Links der Woche, rechts der Welt KW 52/12
Die beiden ZEIT-Reporter Nadine Ahr und Henning Sußebach haben sich als Obdachlose verkleidet, um zu gucken, ob man in Neukölln die Weihnachtsgeschichte kennt. Vor einem Jahr blitzten sie mit der Masche bei den Wohlhabenden im Taunus ab, die daraufhin leserbrieften, die Armen wären bestimmt auch nicht mitfühlender. (26.12.12)
Bei der FAZ würde man lieber nicht
Auch bei der FAZ hat die Zentripetalkraft der herrschenden Ordnung merklich nachgelassen. Für Nils Minkmar ist die Große Müdigkeit das Symptom der arschoffenen Gesellschaft und fast könnte man meinen, er empfehle die Subtraktion, wie sie im aktuellen Lichtwolf behandelt wird. Längst sollen sich auch und besonders die Frauen verheizen lassen. Der Feminismus ist im Medienalltag vor allem Wirtschaftsfeminismus, also die Frage, wie "Frauen möglichst zackig in die Wirtschaft reinstalliert werden" und nebenher genug künftige Akademiker gebären können sowie sexy bleiben. Antonia Baum sieht ihre Geschlechtsgenossinnen mehr Zwängen und Widersprüchen ausgesetzt als Männer es je waren.
Schnauze voll von der Überfütterung auch in der NZZ: Alles wird immer eiliger, konstatiert Martin Meyer, denn Blumenbergs Zeitschere öffnet sich, sogar die Jugend zeigt müde Routine im Umgang mit den sekündlichen Updates der Unsicherheit. Der Kulturpessimist rät daher zu konzentrierter Versenkung in Schönes. (24.12.12)
Sophia Amalie Antoinette Infinitesimalia stellt in ihrem FAZ-Blog schöne mathematische Gesetzmäßigkeiten vor wie z.B. das Zipfsche Gesetz, das zur Beschreibung von Häufigkeitsverteilungen unterschiedlichster Art (Wörter, Städte, Musiknoten) taugt, oder das Benfordsche Gesetz über die Häufigkeit von Anfangsziffern längerer Zahlenfolgen. (26.12.12) Noch mehr zu Zahlen, Ziffern und Nummern im aktuellen Lichtwolf.)
Zum Schluss des Jahres:
So starten Sie von Musen geküsst ins neue Jahr: Die FAZ informiert uns über einige Inspirationsquellen Berliner Gelehrter. Guten Rutsch!
Links der Woche am 15.12.2012, 14:13 Uhr
Links der Woche, rechts der Welt KW 50/12
Herbert Schnädelbachs neues Buch ist nach seinem Thema benannt, nämlich "Was Philosophen wissen". Hans Bernhard Schmid stellt den Titel in der NZZ als einen vor, der sich wegen seiner profunden Wissenschaftsgeschichte und der notwendigen Erörterung von Begriffen wie Wahrheit, Überzeugung oder Bedeutung auch als anspruchsvolle Einführung in die Philosophie eignet. (12.12.12)
Wir werden alle sterben!
Aber vielleicht gibt es Backups. Vor zwei Wochen wurde hier bereits auf einen FAZ-Blog-Beitrag hingewiesen, der auf Studien zur Simuliertheit unserer Welt hinwies; Heise Online kommt noch einmal auf die Experimente zu sprechen. Auch das blogkow greift die (Gedanken-)Experimente auf und überlegt, wie der Weltuntergang zu verhindern wäre.
Unn sünst?
In der SZ stellt Franziska Augstein zwei neue Titel zum Marxismus - u.a. von Eric Hobsbawn - vor. +++ "Katastrophal schlecht" findet Johan Schloemann gleichfalls in der SZ das neue Buch von Richard Sennett über Kooperation. +++ Mal was anderes: Der Bachelor ist nicht so schlecht wie sein Ruf, so kommentiert Bernd Kramer in der taz. +++ Arme Studenten: Ruben Karschnick portraitiert in der ZEIT eine Jura-Studentin zwischen Tafel und Staatsexamen.
Links der Woche am 05.05.2012, 14:32 Uhr
Links der Woche, rechts der Welt KW 18/12
Die Zimmer Turings und Chinas
Vor einer Weile wurde bereits auf eine Artikelserie hingewiesen, die sich zu Alan Turings 100. Geburtstag seiner Maschine und ihrem Test widmet. Tarek Richard Besold hat unter der nach wie vor schönen Überschrift "Turings Werk und Searles Beitrag" bei den SciLogs inzwischen Teil 1, Teil 2 und Teil 3 seiner Betrachtungen zur Künstlichen Intelligenz nach Turing veröffentlicht.
Unruheexperte Wolfgang Kraushaar hat ein Buch geschrieben, das Stefan Reinecke in der taz vorstellt: "Aufruhr der Ausgebildeten. Vom Arabischen Frühling zur Occupy-Bewegung" sieht erstmals seit 1968 erstmals wieder die Armen Seit' an Seit' mit jungen Akademikern gegen die herrschende Ordnung protestieren, allerdings in führer- und visionsloser Offenheit. (30.04.12)
Die gebende Hand mit dem Goldring
Bei Telepolis führt Reinhard Jellen ein Gespräch mit Kathrin Hartmann über Super-Gentrifizierung und die Tafeln als Sinnbild eines ökonomistischen Zeitgeistes, der die Gesellschaft in angehimmelte Gewinner und verachtete Verlierer entsolidarisiert. Hartmann hat für ihr Buch "Wir müssen leider draußen bleiben" in den Armutszonen von Bangladesch und München recherchiert. (02.05.12) (Und wer darob einen richtigen Hals kriegt, dem sei "Die Lange Nacht vom Zorn" heute ab 23:05 Uhr im Deutschlandfunk empfohlen.)
Demokrise
Wirtschaftskrisen sind Vertrauenskrisen sind Krisen der Demokratie. Drum wird auch weiterhin akut über die Staatsform unter Druck nachgedacht. In der NZZ blickt der Historiker Christian Meier zurück auf die Vorfahren der morgen wählenden Griechen. Schon im antiken Athen herrschten stets nur einige, nie das ganze Volk, dessen Herrschaftsanspruch die Demokratie nicht erfüllen kann.
Ebenfalls den Blick zurück zu den erfreulichen europäischen Wurzeln anstatt die unerquickliche Gegenwart lenkt Sahra Wagenknecht (Linke) in der FAZ. (Jawohl, die Kommunisten stehen jetzt auch schon in der FAZ!) Kunst, Geist oder Demokratie sind wie Europa überhaupt den Märkten überlassen worden, die nötig reguliert gehören.
Das Älteste
Die ZEIT bespricht Robert Spaemanns autobiographischen Gesprächsband über "Gott und die Welt". +++ Die FAZ stellt "Platon in Bagdad" von John Freely vor, der darin beschreibt, wie das Wissen der Antike über den Orient zurück nach Europa kam. +++ Der Bayrische Rundfunk erinnert zum 250. Geburtstag an Johann Gottlieb Fichte. Herzlichen Glückwunsch zum Vierteljahrtausend, altes Möbel!
Links der Woche am 03.03.2012, 14:05 Uhr
Links der Woche, rechts der Welt KW 09/12
Falls Rot-grün, Occupy und NABU hierzulande noch ein Dokument zur Wiederbelebung und Blockbildung fehlte, liegt es nun aus der Feder von Naomi Klein in den Blättern für deutsche und internationale Politik vor: Die Rechte leugnet den Klimawandel, weil sie von dem System profitiert, das ihn forciert. Im Umkehrschluss sind der Kampf gegen den Klimawandel und der für eine gerechtere Wirtschaftsform derselbe.
Bei uns wohnt die "Wissensgesellschaft" in der "Bildungsrepublik". Andrea Roedig hegt im Freitag allerdings Zweifel an den Segnungen einer Bildungsinflation, die sich darin äußert, dass ein hohes Bildungsniveau - zumindest den Geisteswissenschaftler - weder sicheren Job noch hohes Gehalt bescheren, und dass Wissen zur Ware wird, die um des Profits willen massenhaft und billig auf Halde produziert wird. (27.02.12) (Ein gutes altes Beispiel für das gebildete Prekariat gibt der Privatdozent ab, mit dem sich Stefan Laube in der FAZ beschäftigt. Auf Laubes "Versorgungsmentalität" antwortet ein mit dem Status quo sehr zufriedener Volker Rieble.)
Reiche nie aus den Augen lassen
Und wenn Sie jetzt noch immer keinen Hals auf die Besitzenden haben, tun Sie sich noch das rein: Die taz stellt via dpa eine der beliebten US-Studien vor, die Vorurteile bestätigen. Fahrer dicker Autos wirken demnach nicht nur rücksichtsloser, sie sind es auch, und Reiche greifen im Gegensatz zu Armen eher mal anderen in die Tasche. (28.02.12)
Trost finden die zu kurz Gekommenen in der FAZ, wo Christian Geyer (eher kritisch) Reinhart Kosellecks weitgehend psychologiefreie Erkenntnistheorie des Besiegten vorstellt. Demnach können Niederlagen zumindest die Historiker scharfsinniger machen. (21.02.12)
Na, haben Sie das Beste aus dem 29. Februar gemacht, den es dieses Jahr mal wieder als Dreingabe zu den üblichen 365 dazu gab? Wie und warum das mit den Schaltjahren bzw. -tagen so ist, erklärt Klaus Bartels in einem höchst lesenswerten NZZ-Beitrag zur globalen Kalendergeschichte. (01.03.12)
Freiheit ist schön, macht aber viel Arbeit. Drum ist der Liberalismus wenig sexy, aber notwendig, so der Tenor des Aufsatzes von Gerhard Schwarz in der NZZ. (02.03.12)
Links der Woche am 09.07.2011, 14:17 Uhr
Links der Woche, rechts der Welt KW 27/11
Der Physiker Josef Honerkamp blättert in der Zeitschrift "Information Philosophie" und kommt sich dabei wie ein Spanner vor. In den Chronologs wundert er sich über die Fremdheit zwischen Natur- und Geisteswissenschaftlern, über die "gefühlte Wahrheit" und sorgsame Sprache letzterer sowie über den Menschen als Maß aller Dinge. (03.07.11)
Alain Badiou kann bekanntlich mehr als Revolution. Sein Buch "Lob der Liebe" ist soeben auf Deutsch erschienen und fordert mit Rimbaud die Neuerfindung der Liebe als das, was sie sein sollte: Die Geburt einer Welt aus zwei nicht-identischen Subjekten. Mehr nicht. Für die FAZ rezensiert Cord Riechelmann das Buch, das zuvördest mit falschen Vorstellungen aufräumen will. (05.07.11)
via @theorieblog: Simone Dietz erklärt Kants "Kritik der reinen Vernunft" einmal anders, nämlich mit Sonja Sinnlichkeit und Volker Verstand aus der Erkenntnis-GmbH. (05.07.11)
Nach der Rezension in der WELT letzte Woche wird die Neuausgabe von Franz Overbecks "Erinnerungen an Friedrich Nietzsche. Mit Briefen an Heinrich Köselitz und mit einem Essay von Heinrich Detering." auch in der NZZ besprochen, und zwar vom stets lesenswerten Ludger Lütkehaus. (05.07.11)
Diejenigen Tagebücher von Erich Mühsam, die nicht verschollen sind, werden nun neu aufgelegt. Parallel zur gedruckten Ausgabe hat der Verbrecher Verlag das Werk im Internet verfügbar gemacht, wo sich wunderbar durch Namen, Daten und anderen Verweise klicken lässt. Der Hinweis auf Mühsams "Onlinetagebuch" entstammt einem Text von Katrin Schuster, die sich ausgehend davon im Freitag Gedanken über Hypertextualität macht. (07.07.11)
Alle haben ein Problem, besonders der Euro mit den Griechen. Klaus Bartels weist fast schon heideggerianisch das aus dem Griechischen stammende Wort "Problem" als "Vor-werf-Ding" aus und unterfüttert die Etymologie mit antiken Anekdoten aus Hellas. (08.07.11)
Die Bloggerin Elke Brüns von "Gespenst-der-Armut.org" nimmt sich in der FR der gegenwärtig inflationären Ausstellungen zur Armut in der Kunst an. Im seltsamen Verhältnis zwischen Armut und Kunst bleiben die Fragen von Ethik, Ästhetik und Engagement offen, wenn nicht gar ungestellt. (08.07.11)
Arbeiterkinder im Elfenbeinturm
Im Freitag unterhält sich Rudolf Stumberger mit dem Münsteraner AStA-Referenten Andreas Kemper über den ersten deutschen Kongress des US-Netzwerks "Akademiker mit Arbeiterhintergrund", das sich der Trinität von Herkunft, Bildung und Chancen widmet. (09.07.11)
Kultur(terrorismus) am 19.11.2002, 12:51 Uhr:
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