Das außer- und antiakademische Philosophie-Magazin. - Sonntag, 26. Mai 2013
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lichtwolf.de / Monatsbuch / April 2012
Links der Woche am 01.04.2012, 15:23 Uhr
Links der Woche, rechts der Welt KW 13/12
Dietmar Dath glaubt nicht, dass früher alles besser war, aber auch nicht, dass in Zukunft alles besser wird. In der FAZ skizziert er die vier Paradigmen der exakten Wissenschaften, deren jüngstes viertes ein Kind der Möglichkeit ist, komplizierte Berechnungen mit einer Turingmaschine zu erledigen. Vernetzt man Millionen davon, schlägt die Quantität in eine neue Qualität um, in welcher Theorie, Experiment und Simulation ununterscheidbar sind. (28.03.12)
Hans Ulrich Gumbrecht denkt in seinem philosophischen FAZ-Blog "Digital/Pausen" diese Woche über die Frage nach, ob Heidegger unvermeidlich sei. (In Freiburg: ja) Grund ist die Tatsache, dass Subjektphilosophie und Konstruktivismus abgewirtschaft sind und besonders Heideggers Spätwerk neue Impulse zur Gegenwartsanalyse geben könnte. Daneben setzt sich Gumbrecht noch mit seinen inzwischen abgelegten Vorbehalten gegen Heidegger wg. 1933/34 auseinander. (30.03.12)
Leonie Seng verweist in Ihrem Philosophie-Blog auf das Philolink-Blog, das seit einigen Tagen Links zu philosophischen Themen sammelt, und wir verweisen in unserer wöchentlichen Sammlung von Links zu philosophischen Themen auf den Verweis zur Verweissammlung. Deconstruct this, Poststrukturalismus! (30.03.12)
Weltwissen in 45-Minuten-Häppchen
Judith Schalansky hat mit "Der Hals der Giraffe" den wunderbaren Monolog einer verbitterten Bio-Paukerin verfasst und denkt nun in der FAZ über Schulbücher gestern, heute und morgen nach; sowie über das Rätsel, das über jeder Schulzeit hängt - gerade wenn Klausuren anstehen: Wofür soll man den ganzen Stoff später mal brauchen? (01.04.12)
Links der Woche am 07.04.2012, 15:04 Uhr
Links der Woche, rechts der Welt KW 14/12
Die Spaßgesellschaft endete am 11. September 2001, seither hat es die Ironie schwer gehabt im öffentlichen Diskurs. Das tut ihm nicht gut und der Kunst im weitesten Sinne auch nicht, findet Peter Richter, und weist in einem wunderbaren FAZ-Text nach, das auch schon Griesgrame wie Hegel müßige Verspieltheit unter dem verbissenen Ernst des bürgerlichen Realitätssinns begruben. (01.04.12)
Thomas Grüter fragt in seinem Scilog "Gedankenwerkstatt", ob Irrationalität womöglich kein Defekt, sondern nur ein weiterer üblicher Modus des Denkens ist. Der Glaube an übersinnliche Kräfte ist schließlich in allen Kulturen verbreitet, ebenso wie der an Rituale, Wahrsagerei und Symbole, wie der hierzulande gültige § 90a StGB bezeugt. (02.04.12)
Nebenan bei Glanz & Elend rekapituliert Peter V. Brinkemper eine Wuppertaler Tagung zu Habermas' Update des Historischen Materialismus', die eher zu einer (mäßigen) Werkschau geriet. Was sind Kapitalismus und Demokratie heute in Europa? Was bedeuten Erkenntnis und Interesse für den Diskurs? Was machen Wissenschaft und Technik im Überbau?
Kürzlich lasen vor 250 "eher linken" Zuhörern die Redakteure Mely Kiyak (FR), Yassin Musharbash (SPON) und Deniz Yücel (taz) aus der Hatemail vor, die sie in den vergangenen Jahren erhalten haben: Leserbriefe, aus denen Rassismus, aber auch Sexismus und Antisemitismus nur so herausmüffeln. Der kathartische Abend schien - dem taz-Bericht nach - sogar lustig gewesen zu sein, wenn nämlich die Zuschriften vor lauter Hass gar zu sehr ins Absurde kippten. (02.04.12)
Die Zentripetalkraft des abendländischen Kapitalismus und seiner Leistungsnorm lässt nach. Dokumentiert wird das von der Selbstauskunft einer jungen Hochschulabsolventin mit Karriereaussichten, die nicht etwa hingeworfen hat, um sich mit Sabbatjahr oder Abenteuerurlaub für den Job zu regenerieren. Vielmehr lebt sie jetzt einfach von Arbeitslosengeld jenseits von Schland; mit Oscar Wilde: "I don't want to earn a living, I want to live." (04.04.12)
Das Weitere und Engere
In der NZZ bespricht Ludger Lütkehaus das neue Buch "Aufklärung. Das europäische Projekt." von Manfred Geier. +++ Anlässlich der Veröffentlichung von Theodor W. Adornos Vorlesungen zur Ästhetik und Dialektik läuft in Berlin eine Ausstellung zu TWA, schreibt der Tagesspiegel. +++ Sensation: Fichte war kein Rammenauer, sondern aus Oschatz, wie die Oschatzer Allgemeine Zeitung atemlos meldet!
Links der Woche am 14.04.2012, 14:48 Uhr
Links der Woche, rechts der Welt KW 15/12
Wenn nichts mehr hilft, hilft nur noch der Weltuntergang: Im US-Fernsehen starten zwei Reality-Dokus, in denen es um Leute geht, die sich auf die Apokalypse vorbereiten. Johannes Thumfahrt sieht das eschatologische Prinzip der Casting-Show darin auf die Spitze getrieben und berichtet in der taz über ein Land, in dem sich Bewohner bewaffnen und einbunkern, weil sie mit dem Weltuntergang besser umgehen können als mit der nächsten Tilgungszahlung. (11.04.12)
Wer beeindruckt nicht gern eine fesche Erstsemesterin, einen feschen Erstsemester mit der modernen Physik entlehnten Paradoxa? Dieses geisteswissenschaftliche Balzritual könnte bald an sein Ende kommen, denn Physiker Joachim Schulz erklärt gerade in seinem Scilog "Quantenwelt" allgemein verständlich relativistische Paradoxa - und ihre schnöde Auflösung! (12.04.12)
Calvins Erbe
Malochen ist scheiße, aber es geht immer noch beschissener, wie der Doku-Film zeigt, der das Business-Punk-Motto "Work hard, play hard" als Titel hat und von der taz, der ZEIT und der der FAZ vorgestellt wird, die gar meint, der Film zeige, "wie die Betriebswirtschaft unser Leben zerstört und am Ende vielleicht auch den klassischen Kapitalismus". Zur positiven Stimulation des Fluchtreflexes sei abermals an die taz verwiesen, die ein Gespräch mit dem Aussteiger Tom Hodgkinson geführt hat.
Festival oder Kneipe?
In Hannover findet gerade das dritte Festival der Philosophie statt. +++ Das Panoptikum der Stammkneipenkultur, Adam Seides "ABC der Lähmungen" wurde neu aufgelegt, wie die ZEIT meldet.

Kultur(terrorismus) am 16.04.2012, 23:09 Uhr:
Links der Woche am 21.04.2012, 15:10 Uhr
Links der Woche, rechts der Welt KW 16/12
In der taz verteidigt Micha Brumlik den Vordenker des Individualismus, John Stuart Mill gegen seine Vereinnahmung durch den Neoliberalismus. Seine Ablehnung jeglicher staatlicher Einmischung war keineswegs so rigoros, wie z.B. Hayek meinte, und zum Lebensende hin machte sich Mill gar Gedanken über den Sozialismus. (17.04.12)
Agamben zum Siebzigsten
Zu seinem 70. Geburtstag bekommt Giorgio Agamben in der taz ein kurzes Portrait von Cord Riechelmann, das die Pioniertat des "Homo sacer" würdigt, Auschwitz philosophisch und nicht nur geschichtswissenschaftlich zu begegnen. Leider bricht es viel zu früh ab. Ausführlicher dagegen die Geburtstagsgrüße, die Agamben in der NZZ von Uwe Justus Wenzel bekommt.
Markus Dahlem fragt sich in den BrainLogs, ob eine wissenschaftliche Karriere überhaupt noch lohnt. Anlass ist eine aktuelle Radiosendung, die die Starrheit akademischer Strukturen nicht gesetzlich oder finanziell begründet sieht, sondern der muffigen Trägheit geschuldet. (20.04.12)
Quickstep von links nach rechts
Hans Ulrich Gumbrecht widmet sich in seinem FAZ-Blog Digital/Pausen diese Woche der nicht mehr ganz so taufrischen Frage, ob "links" und "rechts" im politischen Diskurs noch Sinn machen. Von der Begriffsgeschichte, in der die Positionierung einst relativ zum Verständnis des Begriffs "Gleichheit" stattfand über die Godesberger SPD und die Schwärze der Grünen bis zur erzlinken Staatsgläubigkeit geht der "Quickstep". (20.04.12)
Paddi machen: Letzte Woche Festival in Hannover, heute Party in Bielefeld: Die dortige Uni-Abteilung Philosophie haut auf den Putz, Mauri Antero Numminen ist Stargast.
Links der Woche am 28.04.2012, 15:00 Uhr
Links der Woche, rechts der Welt KW 17/12
In der WELT freut sich Alan Posener über eine "Studie" der amerikanischen Onlinezeitung "The Daily Beast", die unter den nutzlosesten Uni-Abschlüssen vor allem geisteswissenschaftliche wie Politik, Geschichte, Philosophie oder Kunst aufführt: "Ein Land, in dem es kein geisteswissenschaftliches und künstlerisches Prekariat gibt, ist ein Land ohne Seele." (25.04.12)
Unserer Lieblingsstaatsform geht es gerade nicht gut: Von außen machen der wirtschaftliche Erfolg Chinas und das EU-Sparkommissariat Druck, im Innern wählen die Bürger wenn überhaupt dann nur noch aus Protest. Herfried Münkler macht sich in der NZZ seine Gedanken über den Scheideweg zwischen elitärer Kommando-Demokratie und irrationaler Massenbewegung. (25.04.12)
...so wird gemeldet, und zwar eine YPS für die, die damit aufgewachsen sind und heute auf Titten, Grillwürste und Club-Mate-Lifestyle statt Urzeitkrebse stehen.
Mehr lesen? Wie wäre es mit diesem Beitrag:
Kurz und Klein am 20.06.2012, 20:10 Uhr:

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